Heuersatz für Pferde

Heucops in Dosierschaufel und Heuersatzprodukte
Bildquelle: iStock

Ist es nicht möglich, ausreichend Heu zu füttern oder kann ein Pferd Heu nicht mehr optimal kauen, sind Heuersatzprodukte das Mittel der Wahl, um die Versorgung mit Energie und den für die Darmflora so wichtigen Fasern zu gewährleisten. Auch zur Aufwertung von sehr grobem Heu eignen sich Heuersatzprodukte.

Heucobs können insbesondere bei alten Pferden die Raufutterration 1:1 ersetzen. Kaufähiges Heu sollte dennoch zur Beschäftigung angeboten werden. Wie viel Heuersatz notwendig ist, kommt auf die tatsächlich gefressene Heumenge an. Da alte Pferde schnell abbauen, aber schwer wieder Substanz aufbauen, sollte die Heumenge regelmäßig durch Wiegen überprüft werden.

Heuersatzprodukte

Hierzu zählen sog. Trockengrünprodukte in Form von Pellets, Cobs, Würfeln, Flakes oder Häckseln. Sie können aus Gras, Luzerne, Esparsette, Grünhafer (unreifer Hafer) oder ganzen Maispflanzen bestehen. Durch künstliche Trocknung ist die Ernte relativ wetterunabhängig. Somit kann eine hygienisch einwandfreie und schmackhafte Qualität in der Regel gewährleistet werden. Dennoch sollten die Produkte sowohl auf Hygiene als auch auf Giftstoffe, z. B. aus Giftpflanzen regelmäßig kontrolliert werden. Besonders Luzerne kann durch giftige Kreuzkräuter verunreinigt sein. Zur Kontrolle auf Giftpflanzen ist ein aufwendiges Verfahren der sog. repräsentativen Probenziehung nötig (dabei werden viele Teilproben zu einer Sammelprobe vereint), denn Giftpflanzen sind in der Regel nicht gleichmäßig im Futter verteilt zu finden. Verwenden Sie daher bitte nur Produkte von Firmen, denen Sie vertrauen.

Eine Besonderheit stellen die sog. Maiscobs dar. Sie werden aus der ganzen Maispflanze gewonnen und vereinen die Raufutterbestandteile (Stängel, Blatt) mit dem stärkereichen Maiskorn. Daher sollten Maiscobs nur in der Menge bis 300 g/100 kg Körpergewicht (KGW) pro Mahlzeit eingesetzt werden. Auch für Pferde mit hohem Energieverbrauch sollte die tägliche Menge von 0,5 kg Maiscobs/100 kg KGW nicht überschritten werden.

Alle eingeweichten Trockengrünkonserven (Heu-, Luzerne-, Maiscobs, Rübenschnitzel u. a.) sollten direkt nach dem Einweichen gefüttert werden. Insbesondere bei sommerlichen Temperaturen kommt es sonst innerhalb weniger Stunden zur Vermehrung von Keimen, u. a. von Hefen, die zu Gaskoliken führen können.

Alle Heuersatzprodukte sollten nur vollständig gequollen gefüttert werden (es sei denn, der Hersteller empfiehlt explizit etwas anderes), da ansonsten die Gefahr einer Schlundverstopfung durch ein Quellen in der Speiseröhre besteht.

Rübenschnitzel

Bei der Gewinnung unseres Haushaltszuckers aus Zuckerrüben fallen neben Melasse auch sog. Trockenschnitzel an. Sie sind – entgegen manch kursierender Meinung – zuckerarm. Schlussendlich ist es verständlicherweise das Kernanliegen der industriellen Zuckerverarbeitung, möglichst viel Zucker aus der Zuckerrübe zu gewinnen und als Haushaltszucker verkaufen zu können.

Deshalb findet sich in den unmelassierten Trockenschnitzeln überraschend wenig Zucker: 3 – 7 % maximal. Zum Vergleich: Heu enthält durchschnittlich 10 % Zucker. Daneben sind im Landhandel auch ungepresste Zuckerrübenschnitzel mit einem Restzuckergehalt von 12 –16 % erhältlich, die für die Pferde natürlich schmackhafter sind sowie Melasseschnitzel mit 12 – 25 % Restzucker. Um die Quellzeit zu verkürzen, bieten einige Firmen speziell behandelte Rübenschnitzel (Extrudatflakes) an, welche in 10 Minuten vollständig quellen und nur 5 % Zucker enthalten. Doch auch unbehandelte lose Rübenschnitzel benötigen in warmem Wasser in der Regel nur 30 Minuten zum vollständigen Quellen. Pelletierte Melasseschnitzel allerdings können durchaus über 6 Stunden brauchen, um ausreichend Wasser aufzunehmen. Gerade bei hohen Temperaturen ist diese lange Zeit im Wasser in Kombination mit dem enthaltenen Zucker ungünstig, da schnell Gärungsvorgänge einsetzen.

Wenn Sie allerdings vor der Arbeit mit Ihrem Pferd Rübenschnitzel in der 4- bis 5-fachen Menge kochendem Wasser aufquellen lassen und nach dem Reiten verfüttern (also nach 1 – 2 Stunden), so sollten die Rübenschnitzel vollständig gequollen sein. Zur Überprüfung lohnt sich der Griff in die weiche Masse, um zu kontrollieren, ob noch harte, ungequollene Anteile vorhanden sind. Dann sollte die Quellzeit in kühler Umgebung verlängert werden.

Wieviel Heuersatz ist sinnvoll?

ProduktGrundsätzliche
Empfehlung/Tag
Maximale
Fütterungsmenge/Tag
Einsatzempfehlung

Heucobs

0,3 – 1,0 kg/100 kg KGW

Heuersatz 1:1 möglich

Wie viel Heuersatz für alte Pferde notwendig ist, hängt von der noch gefressenen Heumenge ab

  • Alte Pferde

  • Zuckerempfindliche Pferde

  • Pferde mit Zahnproblemen

  • Substanzbildung

  • Aufwertung von grobem Heu und Ausgleich schwankender Heuqualität

Luzernecobs,
Heuextrudat-Flakes,
Grünhafer

0,1 – 0,5 kg/100 kg KGW

Heuersatz bis zu 50 % bzw. auch 100 % möglich (begrenzender Faktor ist der höhere Energiegehalt und der hohe Proteingehalt bei Pferden mit Nierenfunktionsstörungen, bei Stuten kann es aufgrund des Phytoöstrogengehalts zu Fruchtbarkeitsstörungen und Ovarialzysten kommen)

  • Alte Pferde
  • Zuckerempfindliche Pferde (bereits die geringe Dosierung ist zur Proteinergänzung geeignet)
  • Sportpferde
  • Zuchtpferde
  • Substanzbildung

Maiscobs

0,1 – 0,3 kg/100 kg KGW

Max. 0,5 kg/100 kg KGW

  • Alte Pferde
  • Pferde mit Zahnproblemen
  • Substanzbildung
  • Zuchtpferde

Rübenschnitzel
(Zuckergehalt
3 – 16 %)

0,05 – 0,1 kg/100 kg KGW
  • 0,5 kg/100 kg KGW

  • Mit 0,05 kg/100 kg KGW beginnen und langsam steigern (1 kg/100 kg KGW nur für Hochleistungspferde denkbar)

  • Alte Pferde
  • Zuckerempfindliche Pferde
  • Sportpferde
  • Pferde mit Zahnproblemen
  • Substanzbildung
  • Stabilisierung der Darmflora